Ohne Wenn und Aber

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Projekt Pedalo Freiwillige und Vereine engagieren sich für Asylsuchende (lanciert von den Kirchen, in Verbindung mit der Gemeinde, der AOZ und den Flüchtlingen).

Am letzten runden Tisch der Vereine stellten Raphael Strupler und Alexander Denzler das Projekt Pedalo den Vereinen vor. Die beiden Jugendlichen, die sich beide selbst noch im Studium befinden, erklärten sehr mutig und engagiert die klaren Ziele ihres Projektes und wagten einen Schritt in die Vereinswelt, um in Zukunft in den Bereichen Freizeit und Sport ein erweitertes Angebot für die Flüchtlinge zu schaffen. Der Tennisclub Rüti unterstützt diese tollen Vorschläge der beiden Youngsters und ihre Hilfeleistungen und darum entstand die spontane Idee, noch am Saisonende eine Einführung in den Tennissport anzubieten.

Für unserem Engagement, das sei vorweggenommen, wurden wir mehr als nur belohnt.

Ein Anruf an Eric, Sven, Silvia und Imer genügte und schon war das Organisationsboot besetzt. Der Tenor unseres harten Kerns des Tennisclubs Rüti: Wir kommen sofort, für diese Menschen mit ihren schicksalhaften Erfahrungen und Lebensumständen setzen wir uns vorbehaltlos ein. Dann ging es los. Daniela und Peter kauften ein, backten Kuchen, organisierten und bereiteten alles vor, für die Gäste aus verschiedenen Kontinenten, die für ein kurze Weile Ablenkung von ihren Sorgen und Nöten erfahren sollten.

Um 16.00 Uhr traf man sich dann in beidseitiger Erwartungshaltung am Bahnhof Rüti. Niemand kannte sich. Aber das strahlende, offene Lächeln, dass diese Menschen an den Tag legen, verriet sehr schnell, wer zum Tennistraining gekommen war. So konnten wir ohne Verspätung das Reisli hinauf zu unseren Tennisplätzen im Niggital antreten. Zu unserer Verblüffung konnten die meisten von ihnen schon recht gut Deutsch. So konnten wir also mit Menschen aus Afghanistan, Syrien Tibet und einigen afrikanischen Ländern gut kommunizieren. Dies machte es für uns im Folgenden sehr viel einfacher als erwartet, unsere recht komplexe Sportart zu erklären.

Zuerst aber begrüssten wir mit Freude die Angekommenen auf unserer Anlage im Niggital mit einem Fruchtdrink und luden sie dann ein, uns auf die Plätze zu begleiten. Schon von Anfang an begegneten sie uns mit sehr viel Offenheit und viel Dankbarkeit. Spätestens auf dem Sportplatz dann, beim spielerischen Aufwärmen, ging es nicht mehr um fremde Kulturen und Unterschiede, sondern um junge Menschen, deren natürliche Freude an der Bewegung und am Spiel uns alle mitriss, und das Niggital mit purer Lebenslust erfüllte.

Danach kam für das Tennisteam aber die allergrösste Überraschung. Diese jungen Menschen, die in eine sehr schwierige Sportart eingeführt wurden, welche normalerweise sehr viel Disziplin und Ausdauer erfordert, gepaart mit intensivem Training, lernten unheimlich schnell. Mit viel Freude, Einsatz und sportlichem Engagement zeigten sie geradezu ein vorbildliches Lernverhalten. Trotzdem wurde gescherzt und gelacht und es bildeten sich innerhalb der Gruppen sehr viele freundschaftliche Teams.

Nach 45 Minuten engagiertem Training ging es dann in die Pause, zu Früchten, Kuchen und diversen süssen Leckerbissen. Da waren sie wiederum eine Einheit, friedlich, diszipliniert und grosszügig einander gegenüber und dankbar ihren Gastgebern gegenüber.

Danach ging es mit dem anspruchsvollen Training weiter und wir konnten sogar die Anforderungen erhöhen, die jungen Sportler hielten auch hier gut mit. Wir konnten gar im letzten Trainingsteil mit kleinen Gruppenmatches zwischen den jeweiligen Trainingsgruppen den Tag mit einem Wettbewerb abschliessen.

Obwohl dieses zweistündige Training sehr viel an Kondition abgefordert hatte, zeigte niemand
Anzeichen von Müdigkeit, alle waren zu sehr vertieft in den sportlichen Wettbewerb. Ein weiteres Beispiel dafür, wie Sport, ohne zu politisieren, Wege aufzeigt, die man gar nicht für möglich halten würde.

Das Ende der zweistündigen Einführung nahte und man traf sich zum Schluss bei offenem Feuer – denn es war kalt geworden – zu Kalbsbratwurst, Desserts zu weiteren Gesprächen.
Zum Schluss verabschiedeten wir uns herzlich voneinander, wir, mit bangen Herzen beim Gedanken an die ungewisse Lebensreise unserer Gäste, sie wiederum mit ihrem natürlichen Lachen, dass uns so gut tut und unsere Herzen im Sturm eroberte.

Wir begleiteten sie noch zum Bahnhof, von wo sie den Weg zurück in den Untergrund ihrer
Behausung antraten.

Nachwort:

Wir in Mitteleuropa haben ganz grosses Glück, dass wir hier auf die Welt gekommen sind, dass es uns gut geht und wir eine soziale und demokratische Gemeinschaft bilden. Damit ist es aber auch wichtig und wunderschön, wenn wir uns ohne Wenn und Aber für notleidende Menschen einsetzen und dafür unsere Möglichkeiten und Kräfte aufbieten.

Das Organisationsteam jedenfalls einigte sich spontan darauf, unsere internationale Gästeschar im Frühling erneut einzuladen.

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